Schwimmendes Tarnversteck - Teil 1

In letzter Zeit beschäftige ich mich wieder intensiv mit der Thematik Tarnung am Wasser. 
Vom Land aus ist man auf größeren Gewässern stark eingeschränkt, die Erfolgsaussichten für gelungene Vogelaufnahmen sind nicht immer zufriedenstellend. Daher hab ich mir etwas ausgedacht, um diese Situation spürbar zu verbessern.
Insgesamt sind jetzt 3 schwimmende Tarnverstecke im Einsatz, jedes neue Modell wurde optimiert und weiterentwickelt. Mit diesem simplen aber effektiven Hilfsmittel lassen sich Aufnahmen realisieren, die ansonsten unmöglich erscheinen. Durch den extrem niedrigen Kamerastandpunkt erhält man einen authentischen Blickwinkel, man ist mit den Tieren - sind sie noch so klein - auf Augenhöhe, wodurch schon das Beobachten alleine zum Erlebnis wird.
Durch die Mobilität bekommt diese Art von Tarnversteck eine ganz neue Qualität im Vergleich zu einem fixen getarnten Standort. Man taucht sozusagen mitten in das Wohnzimmer der Vögel ein, kann sich fortbewegen sich drehen, sich den Tieren nähern, ohne sie zu stören und ohne dabei die eigene Tarnung aufzugeben. 
Das schwimmende Tarnversteck bietet für die Wildlifefotografie den Luxus, maximal in die Bildkomposition eingreifen zu können. Es ist möglich, den Hintergrund anzupassen und die Lichtstimmung vielseitig nützen zu können. Besonders bei Gegenlicht kann das reizvoll sein, um einen ansprechenden Hintergrund zu erhalten. Wenige Schritte in eine Richtung können da viel bewirken. 
 

Die ersten Versuche:

Es ist schon über 10 Jahre her und Schuld daran waren eigentlich die Zwergtaucher, dass ich mir diese unorthodoxe Methode zu Fotografieren in den Kopf gesetzt habe.Diese kleinen Taucher haben mich richtiggehend fasziniert und es wollte vom Ufer aus einfach nicht gelingen, sie einigermaßen zufriedenstellend auf Bild zu bekommen. 
Deshalb hab ich in Windeseile - um nicht eine weitere Saison verstreichen zu lassen - einen schwimmenden Untersatz aus Kanthölzern konstruiert. Genauer genommen ist es ein quadratischer hölzener Kranz aus 5/8er Staffeln (Außenabmessungen 110x110cm), auf dessen Unterseite als Auftriebsverstärkung Hartschaumplatten montiert sind. Darauf wird einfach ein schon vorhandenes Tarnzelt gestellt und fixiert. Es wird auch noch heute unter den Namen "Birdwatching" verkauft. 
Als Stativkopfaufnahme dient eine Manfrotto Mittelsäule, die einfach in ein entsprechendes Loch in den Holzrahmen gesteckt wird und abnehmbar ist. Alles in Allem eine sehr simple Sache, was den Bauaufwand angeht. Links und rechts gibt es geräumige Ablagen, hier findet eine weitere Kamera mit Teleobjektiv Platz, sogar ein Stativ für verwacklungsfreie Videoaufnahmen kann mitgeführt werden.
Für den "Betrieb" dieses schwimmenden Tarnversteckes wird eine Wathose benötigt, denn es gibt keinen Boden darin. Der Vorteil dabei ist die ausgezeichnete Manövrierbarkeit. Durch den erforderlichen Bodenkontakt ist man allerdings an seichte Gewässerabschnitte gebunden.

Ein Blick in das Tarnzelt. Bei den beiden 2 Nirorohren links und rechts von der Kamera handelt es sich um nach unten ausfahrbare Stützen, die bei starkem Wellengang für Stabilisierung sorgen

 

Schon der erste Ausflug im Wasser begeisterte, denn viele Vogelarten fühlten sich kaum gestört. 
Wichtig dabei ist, sich sehr langsam zu bewegen, denn dann wird das schwimmende Tarnversteck eher als Treibgut interpretiert. Die Ausbeute an zufriedenstellenden Bildern nahm mit diesem Hilfsmittel stark zu. Der niedrige Kamerastandpunkt trägt zu einer sehr authentischen Bildwirkung bei, da man praktisch auf Augenhöhe mit den Wasservögeln ist. 
Zwar könnte das Zelt niedriger sein, um weniger auszufallen, dafür kann man sich bequem auch in sehr seichten Randzonen fortbewegen, ohne sich stark bücken zu müssen. Ich konnte mit den Zwergtauchern auf Tuchfühlung gehen und es entstanden viele gute Bilder.

Durch das hohe Zelt kann man sich auch in seichten Gewässerabschnitten ohne Bücken komfortabel fortbewegen, dafür hat es eine größere Silhouette und ist nicht so unnauffällig wie eine niedrigere Variante

 

Schließlich reichte die Qualität und der Umfang der Fotos für eine Reportage in einer renomierten Fotozeitschrift. Die nächsten Jahre nutzte ich das schwimmende Tarnzelt nur sporadisch. 
Letztes Jahr allerdings juckte es mich wieder, als Kormorane regelmäßig auf einer Insel verweilten - unerreichbar von Land aus. Die Holzkonstruktion verlangte ein Service, denn ich wollte nicht riskieren, dass meine teure Fotoausrüstung wegen ein paar morschen Holzstücken baden geht. Die Ausbesserungsarbeiten waren schnell gemacht und das schwimmende Tarnversteck wurde wieder gewassert. Prompt gelangen mir die gewünschten Aufnahmen und noch viel mehr, denn rings um mich balzten die Haubentaucher nur so rum. Das veranlasste mich, etwas mehr Zeit zu investieren, um diese besonders eleganten Taucher zu portraitieren.

 

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Einige Aufnahmen, entstanden mit Hilfe eines meiner schwimmenden Tarnverstecke: